Interrupts (PI4): Unterschied zwischen den Versionen

Aus C und Assembler mit Raspberry
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Interrupts sind Signale, die den normalen Ablauf eines Prozessors unterbrechen, um spezielle Routineabläufe auszuführen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Steuerung und Kommunikation in Echtzeitsystemen und bei der Handhabung von Hardware-Ereignissen.
<span style="background:#FF0000; color:#FFFFFF;"> Wichtig! Durch die Entwicklung zur USB-Unterstützung wurde einige Funktionen, die wir bisher genutzt haben, überarbeitet. Diese "neuen" Funktionen sind ab hier eingebaut. Darunter zählt zum Beispiel die printf-Funktion, die hier komplett überarbeitet ist. Zusätzlich wurden einige Screen-Funktionen überarbeitet. </span>


== Definition von Interrupts ==
== Interrupts und Exceptions auf dem Raspberry Pi 4 (Bare Metal) ==


Ein Interrupt ist ein Signal, das den CPU dazu veranlasst, den aktuell ausgeführten Befehlssatz zu unterbrechen und eine Interrupt Service Routine (ISR) oder Interrupt-Handler auszuführen.
Interrupts (Unterbrechungen) und Exceptions (Ausnahmen) sind das Nervensystem jedes Betriebssystems.
Sie sorgen dafür, dass der Prozessor nicht blind Code abarbeitet, sondern auf Ereignisse reagieren kann – sei es,
dass ein Timer abläuft, eine Taste gedrückt wird oder ein schwerwiegender Programmierfehler auftritt.


== Auslöser für Interrupts ==
In diesem Kapitel lernst du, wie die Ausnahmebehandlung im ARMv8 (AArch64) funktioniert,
wie wir die Vektortabelle einrichten und wie wir mit einem einfachen "Blindtest" sicherstellen,
dass unser System bereit für echte Hardware-Interrupts ist.


Interrupts können durch verschiedene Ereignisse ausgelöst werden:
== Exceptions vs. Interrupts: Was ist der Unterschied? ==


=== Externe Hardware-Ereignisse ===
Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es einen feinen, aber wichtigen Unterschied:
* Exceptions (Synchron): Treten '''direkt''' durch die Ausführung eines Befehls auf. Beispiele: Ein ungültiger Speicherzugriff, eine Division durch Null oder ein bewusster Systemaufruf (wie `svc #0`). Der Prozessor weiß '''genau''', welcher Befehl die Ausnahme ausgelöst hat.
* Interrupts (Asynchron): Treten '''unabhängig''' vom aktuellen Befehl auf, ausgelöst durch externe Hardware. Beispiele: Der System-Timer, eine USB-Maus oder ein GPIO-Pin.


* Tastatureingaben: Wenn eine Taste gedrückt wird.
''Tipp für die OS-Entwicklung'': Synchronous Exceptions (wie unsere `SynchError`-Handler) sind deine besten Freunde beim Debuggen! Wenn dein Code versehentlich in einen `SynchError`-Handler springt, weißt du sofort: Hier ist ein schwerer Fehler (z. B. Sprung an eine ungültige Adresse oder falscher Befehl). Wir werden das gleich gezielt ausnutzen.
* Mausbewegungen: Wenn die Maus bewegt wird oder eine Taste gedrückt wird.
* Timer: Timer können so konfiguriert werden, dass sie periodische Interrupts auslösen.


=== Interne Hardware-Ereignisse ===
== Die Spielregeln: Exception Levels (EL) und DAIF ==


* Peripheriegeräte: Ereignisse von Geräten wie Netzwerkadaptern, Festplatten, usw.
Der ARM Cortex-A72 kennt verschiedene Privilegienstufen, die '''Exception Levels (EL)''':
* Signale von Sensoren: Daten von Temperatursensoren, Beschleunigungssensoren, usw.
* '''EL0:''' User-Mode (Anwendungen, wenig Rechte)
* '''EL1:''' Kernel-Mode (Unser Bare-Metal-Code, volle Hardware-Kontrolle)
* '''EL2:''' Hypervisor (Virtualisierung, wird vom Bootloader kurz genutzt)
* '''EL3:''' Secure Monitor (Highest Privilege, z. B. ARM Trusted Firmware)


=== Betriebssystem-Ereignisse ===
'''Wichtig:''' Um Interrupts korrekt zu verarbeiten, müssen wir uns in '''EL1''' befinden. Da der Raspberry Pi 4 oft in EL2 startet, ist unser erster Schritt der Wechsel nach EL1.


* Systemaufrufe: Bestimmte Anfragen von Software an das Betriebssystem.
Zudem kontrolliert das '''DAIF'''-Register, welche Interrupts gerade erlaubt sind:
* Fehlermeldungen: Wenn Fehler wie Division durch Null oder Speicherzugriffsfehler auftreten.
* '''D''' (Debug): Debug-Exceptions sperren
* '''A''' (SError): Asynchrone Systemfehler sperren
* '''I''' (IRQ): Normale Interrupts sperren
* '''F''' (FIQ): Schnelle Interrupts (Fast IRQs) sperren


== Typen von Interrupts ==
Ist ein Bit auf `1` gesetzt, ist der Interrupt '''gesperrt'''. Um IRQs zu erlauben, müssen wir das I-Bit auf `0` setzen (clear).


Interrupts können auch kategorisiert werden in:
== Vorbereitung: Nur ein Kern darf laufen ==


* Maskierbare Interrupts: Diese können vom CPU vorübergehend ignoriert oder maskiert werden.
Der Pi 4 hat 4 Kerne. Beim Start führen alle denselben Code aus. Würden alle versuchen, Interrupts zu bearbeiten oder den Stack zu nutzen, würde das System sofort abstürzen. Wir lassen nur '''Core 0''' arbeiten und schicken die anderen in einen energiesparenden Schlafmodus (`WFE` = Wait For Event).
* Nicht maskierbare Interrupts (NMI): Diese können nicht ignoriert werden und haben höchste Priorität.


== Betriebsmodi und Interrupts ==
<syntaxhighlight lang="asm">
// In boot.S
_start:
    mrs x1, mpidr_el1    // Core-ID lesen
    and x1, x1, #3      // Nur die unteren 2 Bits (0-3) behalten
    cbz x1, core0        // Wenn Core 0, weiter zum Setup


Der ARM-Cortex-A72-Prozessor, der im Raspberry Pi 4 verwendet wird, unterstützt verschiedene Ebenen und Modi, die sich auf das Verhalten von Interrupts auswirken können:
core_sleep:
    wfe                  // Warte auf ein Event (Sleep)
    b core_sleep        // Endlosschleife für Core 1-3


=== Interrupt Enable Stufe (EL1 und niedrigere Ebenen) ===
core0:
 
    // Ab hier läuft nur noch Core 0
Der Prozessor muss sich in einem Modus befinden, in dem Interrupts erlaubt sind (EL1 oder niedriger). Dies bedeutet, dass die globalen Interrupts nicht deaktiviert sein dürfen. Dies wird durch das Setzen bestimmter Bits im Program Status Register (PSTATE) kontrolliert.
</syntaxhighlight>


=== DAIF-Flags (erlauben Interrupts) ===
== Der Wechsel von EL2 nach EL1 ==


{| class="wikitable"
Da wir ein Kernel schreiben, gehört unser Platz in EL1. Der folgende Code konfiguriert EL1, setzt den Stackpointer und bereitet den Rücksprung vor.
| D || Debug-Exceptions
|-
| A || SError-Interrupts
|-
| I || IRQ-Interrupts
|-
| F || FIQ-Interrupts
|}


Diese Flags können im DAIF-Register eingestellt werden. Um IRQ-Interrupts zu ermöglich, sollte das I-Flag gelöscht werden.
== Wichtige Befehle und Register ==
Hier ein Überblick über die relevanten Register und Befehle:
Programmstatusregister (PSTATE): Kontrolliert u.a. die globalen Interrupts.
=== Beispiel (ARM-Assembly) zur Aktivierung von Interrupts ===
Folgender Code zeigt, wie man die IRQ-Interrupts explizit zulässt:
<syntaxhighlight lang="asm">
<syntaxhighlight lang="asm">
.global enable_interrupts
    // 1. Prüfen, ob wir schon in EL1 sind (CurrentEL = 8 für EL1)
 
     mrs x0, CurrentEL
enable_interrupts:
     cmp x0, #8
     mrs x0, DAIF          // DAIF Register lesen
     beq switch_to_el1
     bic x0, x0, #(1<<7)    // IRQ-Freigabe (Setze I-Flag auf 0)
    msr DAIF, x0          // DAIF Register zurückschreiben
     ret
</syntaxhighlight>
 
== Interrupts mit dem Raspberry 4 im 64-Bit-Modus ==
Wie bereits zuvor beschrieben, muss der Raspberry Pi 4 in einen bestimmten Level sein.


Wenn kein spezieller Berechtigungslevel im Bare-Metal-Kernel angegeben wurde und der Raspberry Pi 4 direkt nach dem Einschalten startet, hängt der anfängliche Berechtigungslevel davon ab, in welchem Modus der Prozessor von der Firmware initialisiert wurde.
    // 2. EL1 Stackpointer setzen
    ldr x0, =EXCEPTION_STACK
    msr sp_el1, x0


''Beim Raspberry Pi ist der typische Ablauf wie folgt'':
    // 3. Vektortabelle für EL2 setzen (für den Fall, dass während des Wechsels was passiert)
    ldr x0, =VectorTable
    msr vbar_el2, x0


Der Bootloader (z. B. der von der GPU initialisierte Bootcode) lädt die Firmware und deinen Kernel.
    // ... (Hier folgen Timer- und Virtualisierungs-Einstellungen, siehe boot.S) ...
Nach der Initialisierung durch die Firmware (häufig start.elf), wird die CPU in EL2 (Hypervisor Mode) gestartet, wenn kein spezieller Wechsel zu einem bestimmten Berechtigungslevel vorgegeben wird.


Damit für uns alles gut funktioniert, müssen wir in den Level 1. Zuvor müssen wir uns noch um die verschiedenen CPUs kümmern. Zur Zeit Laufen alle vier Kerne des ARM-Prozessors parallel.
    // 4. Rücksprung-Adresse und Status für EL1 vorbereiten
    mov x0, #0x3c4            // SPSR_EL2: EL1h, Interrupts (DAIF) sind hier noch maskiert
    msr spsr_el2, x0
    adr x0, el1_return        // Adresse, zu der wir nach dem Wechsel springen
    msr elr_el2, x0


== Umsetzung auf den Raspberry Pi 4 (64-Bit) ==
    eret                      // Exception Return: Wechselt nach EL1 zu 'el1_return'
Bisher haben wir in unserem Boot-Code nicht viel geschrieben gehabt. Das einzige war, dass wir unsere Kernel-Stackpointer gesetzt haben und anschließend direkt in unseren Code gegangen sind.


Nun hat der Raspberry Pi 4 allerdings 4 Kerne, die unabhängig voneinander Programme ablaufen lassen können. Bei Interrupts, könnte das uns Probleme bereiten, wenn ein bestimmter Kern, den wir eigentlich nicht verwenden, eine Ausnahme verursacht. Dies könnte zu einem Chaotischen Zustand des Raspberrys führen. Damit dies nicht passiert, werden wir unseren Code nur noch auf der Haupt-CPU ausführen und die übrigen CPUs schlafen legen:
el1_return:
switch_to_el1:
    // Wir sind jetzt in EL1!
    ldr x0, =VectorTable
    msr vbar_el1, x0          // Vektortabelle für EL1 aktivieren


<syntaxhighlight lang="asm">
    // BSS-Segment (uninitialisierte Variablen) mit Nullen füllen
.section .init
    ldr x1, =__bss_start
.global _start
    ldr w2, =__bss_size
clean_bss_loop:
    cbz w2, bss_clean_done
    str xzr, [x1], #8
    sub w2, w2, #1
    cbnz w2, clean_bss_loop
bss_clean_done:


_start:
    b main                    // Ab ins C-Hauptprogramm!
  mrs x1, mpidr_el1  //Lies den Inhalt des Systemregisters MPIDR_EL1 (Multiprocessor Affinity Register) und speichere ihn in Register x1.
  and x1, x1, #3
  cbz x1, 2f
1: // Core 1-3 schlafen legen
  wfe
  b 1b
2:
</syntaxhighlight>
</syntaxhighlight>
Mit "mrs" lesen wir das Systemregister MPIDR_EL1 aus. Dies beinhaltet die Kennung des CPUs. Diese ID steht in den unteren 2 Bits und kann durch "and #3" herausextrahiert werden.
Mit "cbz" Sprung, wenn "NULL" wird die CPU0 verwendet, die hier an Label "2:" weiterspring. Alle anderen CPUs werden mit "wfe" schlafen gelegt und oder in die Dauerschleife "b 1b" versetzt.


Als nächstes prüfen wir das Level, um sicherzustellen, dass wir nicht schon bereits in EL1 sind.
== Die Exception Vector Table (VBT) ==
<syntaxhighlight lang="asm">
  mrs x0, CurrentEL  //Überprüfen, ob bereits in EL1
  cmp x0, #4
  beq 5f
</syntaxhighlight>
Auch hierfür gibt es ein Systemregister, in dem der Momentane Level steht. Mit "mrs" und "CurrentEL" können wir dieses Register lesen. Wenn hier der Wert 4 steht, sind wir bereits in EL1 und überspringen das Umschalten in Level1.
=== Wechsel von EL2 nach EL1 ===
<syntaxhighlight lang="asm">
//Wechsel von EL2 nach EL1
ldr x0, =EXCEPTION_STACK
msr sp_el1, x0


mrs x0, cnthctl_el2
Die VBT ist das "Telefonbuch" des Prozessors. Bei einer Ausnahme schaut die CPU in dieses Register (`vbar_el1`) und springt zu der dort hinterlegten Adresse.
orr x0, x0, #0x3
msr cnthctl_el2, x0
msr cntvoff_el2, xzr


mrs x0, midr_el1
Die Tabelle muss exakt '''2048 Byte (2 KB)''' groß sein (''.align 11''). Sie ist in 16 Einträge unterteilt (4 Ausnahmetypen × 4 Ausführungsstatus). Jeder Eintrag muss exakt '''128 Byte''' (''.align 7'') voneinander entfernt sein.
mrs x1, mpidr_el1
msr vpidr_el2, x0
msr vmpidr_el2, x1


mov x0, #0x33ff
<syntaxhighlight lang="asm">
msr cptr_el2, x0
// In vector.S
msr hstr_el2, xzr
.align 11                      // 2^11 = 2048 Byte Ausrichtung für die ganze Tabelle
mov x0, #3 << 20
.globl VectorTable
msr cpacr_el1, x0
VectorTable:
    // 1. Aktuelles EL, Stackpointer ist SP_EL0 (User-Mode, nutzen wir nicht)
    .align 7
    b SynchError1
    .align 7
    b GenericIRQHandler
    .align 7
    b FastInterruptHandler
    .align 7
    b SErrorStub1


mov x0, #(1 << 31)
    // 2. Aktuelles EL, Stackpointer ist SP_ELx (Kernel-Mode, EL1h) -> DAS NUTZEN WIR!
msr hcr_el2, x0
    .align 7
    b SynchError2              // Synchronous Exception (z.B. svc #0, Memory Abort)
    .align 7
    b GenericIRQHandler        // Normaler Hardware-Interrupt (IRQ)
    .align 7
    b FastInterruptHandler    // FIQ
    .align 7
    b SErrorStub2              // System Error


mov x0, #0x0800
    // 3. Niedrigeres EL (EL0), 64-Bit (Auch hier leiten wir auf unsere Handler um)
movk x0, #0x30d0, lsl #16
    .align 7
msr sctlr_el1, x0
    b SynchError1
 
    .align 7
mov x0, #0x3c4
    b GenericIRQHandler
msr spsr_el2, x0
    // ... (weitere Einträge siehe vector.S)
adr x0, 5f
msr elr_el2, x0
eret
</syntaxhighlight>
</syntaxhighlight>


* ldr x0, =EXCEPTION_STACK: Die Adresse des Exception-Stacks wird geladen.
🛠️ '''Debugging-Hinweis:''' Die ''SynchError''-Handler sind extrem wertvoll. Wenn dein Programm unerwartet in `SynchError2` landet, weißt du: Ein Befehl in EL1 war ungültig oder hat einen Fehler verursacht. Wir werden das gleich gezielt provozieren, um zu prüfen, ob die Tabelle funktioniert.
* msr sp_el1, x0: Der Stack des EL1 (sp_el1) wird gesetzt.
 
Dann folgen verschiedene Register-Konfigurationen, welche die Timer-Funktionalität sowie die virtuelle CPU-Profilierung einrichten:
 
* msr cnthctl_el2, x0 und msr cntvoff_el2, xzr: Timer-Konfiguration.
* msr vpidr_el2, x0 und msr vmpidr_el2, x1: Virtualisierungs-Konfiguration.
 
Weitere Einstellungen betreffen die Steuerregister und die HCR_EL2-Konfiguration:


* msr cptr_el2, x0, msr hstr_el2, xzr: Steuerregister.
== Der Blindtest: `svc #0` (Supervisor Call) ==
* msr hcr_el2, x0: Hypervisor Configuration Register (HCR_EL2) wird konfiguriert.


Schließlich wird der Systemsteuer-Register SCTLR_EL1 initialisiert und das SPSR_EL2 gesetzt:
Bevor wir uns mit komplexer Hardware (wie dem GIC-Interrupt-Controller) herumschlagen, müssen wir sicherstellen, dass unser Exception-Mechanismus grundlegend funktioniert.


* msr sctlr_el1, x0: Einstellung des System Control Register im EL1.
Der Befehl ''svc #0'' (Supervisor Call) löst absichtlich eine '''synchrone Exception''' aus. Da wir uns in EL1 befinden, sollte die CPU in den Eintrag ''SynchError2'' unserer Vektortabelle springen.
* msr spsr_el2, x0: Setzen des Saved Program Status Register, damit eret weiß, wohin er springen muss.


Mit eret erfolgt der eigentliche Wechsel auf Exception Level 1:
Füge diesen Test vorübergehend in deine `main.c` ein, *bevor* du `printf` oder andere Initialisierungen machst:


* eret: Return from exception und Wechsel auf EL1.
<syntaxhighlight lang="C">
 
// In main.c
=== Initialisierung im EL1 ===
#include "printf.h"
<syntaxhighlight lang="asm">
#include "sync.h" // Für Stop()
5:
  ldr x1,=_start
  mov sp,x1 // Stack setzen


// BSS section reinigen
int main(void)
  ldr     x1, =__bss_start     // Start address
{
  ldr     w2, =__bss_size      // Size of the section
    // --- BLINDTEST FÜR EXCEPTIONS ---
3:
     printf("Starte Exception-Blindtest...\n");
  cbz     w2, 4f              // Quit loop if zero
   
  str     xzr, [x1], #8
     // Dieser Befehl löst absichtlich eine synchrone Exception aus.
  sub     w2, w2, #1
     // Die CPU sollte in vector.S -> SynchError2 -> ExceptionHandler springen.
  cbnz    w2, 3b              // Loop if non-zero
    asm volatile("svc #0");
   
     // Diese Zeile sollte NICHT erreicht werden!
     printf("FEHLER: svc #0 wurde nicht abgefangen!\n");
     Stop();
    // ----------------------------------


// springe in die SystemInitierung
    // ... Rest deiner Initialisierung (Interrupt_Initialize, Timer, etc.) ...
4:
}
  bl sysinit
// Falls man zurückkommt, in die Dauerschleife
  b 1b
</syntaxhighlight>
</syntaxhighlight>


* ldr x1,=_start: Lade die Startadresse.
**Erwartetes Ergebnis:**
* mov sp,x1: Setzen des Stack-Pointers an die Startadresse.
Auf dem Bildschirm sollte erscheinen:
 
`Starte Exception-Blindtest...`
Reinigung der BSS-Sektion (__bss_start bis __bss_size) um sicherzustellen, dass alle uninitialisierten Daten null sind.
`Error: Exception 'SynchError2' ausgelöst`
Und das Programm bleibt stehen (dank `Stop()` im `ExceptionHandler`).


=== Warum wird der Wechsel durchgeführt? ===
**Wenn das funktioniert, hast du den schwersten Teil bereits geschafft:** Der Wechsel nach EL1, das Setzen von `vbar_el1` und die korrekte Ausrichtung der Vektortabelle sind verifiziert! Du kannst den `svc #0`-Test danach wieder entfernen.


Der Wechsel von EL2 zu EL1 wird durchgeführt, um vom Hypervisor-Modus in den normalen Betriebsmodus des Systems zu wechseln. EL2 ist für Virtualisierung und Hypervisor-Funktionen reserviert, während EL1 für das OS oder Bare-Metal-Anwendungen wie hier vorgesehen ist. EL1 bietet die notwendige Kontrolle und Privilegien für die Initialisierung und den Betrieb des Systems. Der Hypervisor (EL2) wird meist nur zu Beginn für Konfigurationen benötigt oder bei niedriger privilegierten OS-Schichten.
## 7. Der IRQ-Handler: Den Zustand retten und wiederherstellen


= Vektortabelle =
Wenn ein echter Hardware-Interrupt (z. B. vom Timer) kommt, springt die CPU zu `GenericIRQHandler`. Da der Interrupt *jederzeit* passieren kann, weiß der Handler nicht, welche Register gerade benutzt wurden.


Wie im Code zuvor ersichtlich, wird dem Prozessor ein Zeiger auf eine Vektortabelle übergeben. Diese benötigt der Prozessor, um zu sehen, was er machen soll, wenn bestimmte Ausnahmen (Exceptions), wie bereits beschrieben, bei der Ausführung entstehen.
Die goldene Regel lautet: **Rette alles, was du veränderst, und stelle es exakt so wieder her.**


== Struktur einer Vektortabelle ==
Die ARMv8-Architektur, die im Raspberry Pi 4 verwendet wird, verfügt über eine spezielle Vektortabelle für verschiedene Arten von Ausnahmen. Die Tabelle enthält Adressen für die folgenden Ausnahmen:
* Synchronous Exception - Lower Level
* IRQ (Normal Interrupt) - Lower Level
* FIQ (Fast Interrupt) - Lower Level
* SError (System Error) - Lower Level
* Synchronous Exception - Current Level
* IRQ (Normal Interrupt) - Current Level
* FIQ (Fast Interrupt) - Current Level
* SError (System Error) - Current Level
Zusätzlich muss man beachten, dass der Prozessor theoretisch im AArch64 und im AArch32 Modus befinden kann.
== Beispiel einer Vektortabelle ==
Hier ist ein Beispiel, wie eine Vektortabelle für EL1 aussehen könnte:
<syntaxhighlight lang="asm">
<syntaxhighlight lang="asm">
.align 11
// In vector.S (vereinfachte Darstellung des GenericIRQHandler)
.globl VectorTable
.globl GenericIRQHandler
VectorTable:
GenericIRQHandler:
// Vektoren für EL1t (Current Exception Level SP_el0)
    // 1. Frame-Pointer und Link-Register retten
     b sync_exception_el1t     // Synchronous Exception
     stp x29, x30, [sp, #-16]!
     b irq_handler_el1t        // IRQ - Normal Interrupt
      
     b fiq_handler_el1t        // FIQ - Fast Interrupt
     // 2. Rücksprungadresse (elr_el1) und Status (spsr_el1) retten
     b serror_handler_el1t     // SError - System Error
     mrs x29, elr_el1
// Vektoren für EL1h (Current Exception Level SP_el1)
     mrs x30, spsr_el1
     b sync_exception_el1h     // Synchronous Exception
     stp x29, x30, [sp, #-16]!
     b irq_handler_el1h        // IRQ - Normal Interrupt
   
     b fiq_handler_el1h        // FIQ - Fast Interrupt
    // 3. FIQs erlauben (falls sie gesperrt waren), IRQs bleiben durch Eintritt automatisch gesperrt
    b serror_handler_el1h     // SError - System Error
     msr DAIFClr, #1
// Vektoren für EL0 64-bit Modus
      
     b sync_invalid_el0_64     // Synchronous EL0 (64-bit)
     // 4. ALLE General Purpose Register (x0-x28) auf den Stack sichern
    b irq_invalid_el0_64      // IRQ EL0 (64-bit)
     stp x27, x28, [sp, #-16]!
     b fiq_invalid_el0_64      // FIQ EL0 (64-bit)
     // ... (weitere stp Befehle bis x0) ...
     b error_invalid_el0_64    // Error EL0 (64-bit)
    str x0, [sp, #-16]!
// Vektoren für EL0 32-bit Modus
      
     b sync_invalid_el0_32     // Synchronous EL0 (32-bit)
     // 5. ALLE NEON/FP-Register (q0-q31) sichern (wichtig für C-Code mit Floats!)
     b irq_invalid_el0_32      // IRQ EL0 (32-bit)
     stp q30, q31, [sp, #-32]!
     b fiq_invalid_el0_32      // FIQ EL0 (32-bit)
     // ... (weitere stp Befehle bis q0) ...
     b error_invalid_el0_32    // Error EL0 (32-bit)
   
    // 6. Jetzt ist der Stack sauber. Wir können sicher C-Code aufrufen!
    bl InterruptHandler
      
     // 7. Epilog: Alles in EXAKT umgekehrter Reihenfolge wiederherstellen!
    ldp q0, q1, [sp], #32
     // ... (bis q30, q31)
      
    ldr x0, [sp], #16
    ldp x1, x2, [sp], #16
    // ... (bis x27, x28)
      
    ldp x29, x30, [sp], #16
    msr elr_el1, x29
    msr spsr_el1, x30
   
    ldp x29, x30, [sp], #16
   
    // 8. Zurück zum unterbrochenen Code
    eret
</syntaxhighlight>
</syntaxhighlight>
Erläuterungen zu den Einträgen:
* sync_invalid_*: Diese Handler werden für synchrone Ausnahmen verwendet, wie z.B. system calls oder undefinierte Instruktionen.
* irq_invalid_*: Diese Handler werden für normale Interrupt-Anfragen verwendet.
* fiq_invalid_*: Diese Handler werden für schnelle Interrupt-Anfragen verwendet.
* error_invalid_*: Diese Handler werden für Systemfehler verwendet.


## 8. Zusammenfassung


== Wichtige Punkte zur Vektortabelle ==
1. **Nur ein Kern:** Wir schicken Core 1-3 in den Schlaf (`WFE`), um Chaos zu vermeiden.
* Ausrichtung: Die Vektortabelle muss auf eine bestimmte Weise ausgerichtet sein, typischerweise 2^11 Byte (2048 Byte, align 11), um den Anforderungen des ARM-Prozessors zu entsprechen.
2. **EL1 ist Pflicht:** Wir wechseln von EL2 nach EL1, um Kernel-Rechte zu haben.
* Reihenfolge: Die Reihenfolge der Einträge ist fix und muss den Spezifikationen entsprechend sein. Jeder Vektor muss die korrekte Entsprechung der Ausnahme-Adressen haben.
3. **Vektortabelle:** Sie muss auf 2 KB ausgerichtet sein und zeigt der CPU den Weg zu den Handlern.
* Handlers: Jeder Eintrag in der Vektortabelle verweist auf einen spezifischen Handler für jede Art von Ausnahme.
4. **Blindtest:** Ein `svc #0` ist der perfekte, sichere Weg, um zu prüfen, ob Exceptions korrekt abgefangen werden, bevor man Hardware-IRQs konfiguriert.
5. **State Saving:** Der Assembly-Handler muss *jedes* Register sichern, bevor er C-Code (`InterruptHandler`) aufruft, und es danach exakt wiederherstellen.


= Was ist zu beachten bei Interrupts =
## Ausblick


Um zu verhindern, dass während der Bearbeitung einer Ausnahme (Interrupt Handling) eine weitere Ausnahme auftritt und zu unerwünschten Zuständen führt, gibt es mehrere Mechanismen, die verwendet werden können. Diese Mechanismen beinhalten das Maskieren von Interrupts, das Setzen von Flags und das Sicherstellen einer richtigen Reihenfolge und Priorität von Ausnahmebehandlungen.
Nun, da das Fundament steht und wir wissen, dass unsere Exception-Tabelle funktioniert, können wir uns im nächsten Kapitel dem **Generic Interrupt Controller (GIC-400)** und dem **System Timer** widmen. Dort werden wir lernen, wie wir einen echten Hardware-Interrupt (IRQ 27) aktivieren, um unseren ersten periodischen "Rotor" auf dem Bildschirm zu animieren!


== Mechanismen zur Verhinderung von Ausnahmen während der Ausnahmebehandlung ==
{| style="width: 100%;
 
| style="width: 33%;" | [[Systeminformationen (PI4)|< Zurück (Systeminformationen)]]
* Maskieren von Interrupts:
| style="width: 33%; text-align:center;" | [[Hauptseite|< Hauptseite >]]
 
| style="width: 33%; text-align:right;" | [[Beispiel Timer-Interrupt (PI4)|Weiter (Beispiel Timer-Interrupt) >]]
Beim Eintritt in einen Ausnahme-Handler kannst du alle weiteren Interrupts maskieren. Dies bedeutet, dass andere Interrupts so lange blockiert werden, bis der aktuelle Handler vollständig abgeschlossen ist.
|}
Die ARM-Architektur stellt dafür spezielle Register (DAIF, CPSR) zur Verfügung, mit denen Interrupts individuell oder global maskiert werden können.
 
* DAIF-Register:
 
Das DAIF-Register enthält Flags, um Debug-, SError-, IRQ- und FIQ-Interrupts zu maskieren.
Um alle Interrupts zu maskieren, wird das DAIF-Register mit den entsprechenden Bits gesetzt.
 
== Bei der Ausführung des Handlers ==
Da eine Ausnahme zu jeder Zeit geschehen kann, wird das laufende Programm unterbrochen. Die Register, die für das Ausführen des Programms verwendet werden, werden auch in der Ausnahme verwendet. Dies kann zu Problemen kommen, wenn der Code an der Ursprünglichen Adresse wieder ausgeführt wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, wenn es um eine Absichtliche Ausnahme geht, die Register zu sichern, bevor die Ausführung des entsprechenden Codes für die Ausnahme abläuft. Aus diesem Grund, werden sämtliche Register auf den Stack abgelegt. Da wir auch Gleitkomma erlauben, müssen auch diese Register entsprechend abgelegt werden. Bei erfolgreichen Abarbeiten der Ausnahme, werden diese Register wieder aus dem Stack gefüllt und das Programm kann seinen Dienst fortführen.
 
 
 
Speicherungen der Registersätze (x0-x30, lr), um das Rückkehren nach der Ausnahme sicherzustellen.
Ausführen der eigentlichen Ausnahmebehandlung.
 
Wiederherstellen Ausgangszustände und Entmaske Interrupts:
 
POP {x0-x30, lr} stellt die gespeicherten Register wieder her.
MRS x0, DAIF liest den aktuellen Zustand des DAIF-Registers.
BIC x0, x0, #0x3C0 löscht die Bits 8 (D), 9 (A), 6 (I), und 7 (F), um die Interruptmaskierung aufzuheben.
MSR DAIF, x0 schreibt den modifizierten Wert zurück in das DAIF-Register, um die Interrupts wieder zu erlauben.
Priority und Reihenfolge von Ausnahmen
 
Zusätzlich zum Maskieren von Interrupts können auch Priorisieren und die richtige Verwaltung der Reihenfolge helfen:
 
Priorisieren von Interrupts:
Bestimmte Interrupts können kritisch und hoch-priorisierter sein, während andere niederpriorisiert behandelt werden.
Der interrupt controller kann verwendet werden, um Prioritäten der Interrupts zu verwalten.
Zusammenfassung
 
Interrupt-Maskierung und richtige Priorisierung sind die Schlüssel, um zu verhindern, dass während des Ausnahme-Handlings weitere Ausnahmen auftreten. Das Maskieren der Interrupts kann über das DAIF-Register erfolgen und sollte vor Austritt aus dem Ausnahme-Handler aufgehoben werden. Diese Mechanismen stellen sicher, dass die Ausnahmebehandlung ohne Störungen abgeschlossen werden kann.
 
Ja, es gibt Unterschiede im Aufbau der Vektortabellen, insbesondere wenn verschiedene Betriebsmodi und Ausnahmelevel berücksichtigt werden. In der ARMv8-Architektur werden normalerweise 16 Einträge verwendet, um den verschiedenen Ausnahmebedingungen innerhalb der verschiedenen Exception Levels gerecht zu werden. Dies bezieht sich sowohl auf 64-Bit- als auch auf 32-Bit-Modi und auf die verschiedenen Zustände eines Exception Levels.
 
Erklärung der 16 Einträge
 
Die ARMv8-Architektur teilt die Exception Level Vektortabelle in vier verschiedene Ausnahmearten und zwei verschiedene Zustände jeder Ausnahmeart (z. B. EL1t und EL1h), und dies sowohl für 64-Bit- als auch für 32-Bit-Modi. Hier ist die detaillierte Aufschlüsselung:
 
Ausnahmearten und Zustände:
Synchronous: Sorgt für synchrone Ausnahmen, z.B. Software-Fehler.
IRQ: Normaler Interrupt Request.
FIQ: Schneller Interrupt Request.
SError: System Error.
 
Diese Ausnahmen haben jeweils einen Zustand für:
 
Current Exception Level with SP_el0 (_el1t)
Wenn der Stack Pointer SP_el0 verwendet wird.
Current Exception Level with SP_elx (_el1h)
Wenn der Stack Pointer von SP_elx verwendet wird (z.B. SP_el1).
 
Zusätzlich dazu müssen die Einträge sowohl für 64-Bit als auch 32-Bit-Untermodi der Ausnahmebehandlung berücksichtigt werden. Dies kommt typischerweise bei der Arbeit in der 64-Bit-Arbeitsumgebung vor. Im Allgemeinen:
 
64-Bit Mode EL0 (_el0_64)
32-Bit Mode EL0 (_el0_32)
Beispiel einer vollständigen 16-Eintrag-Vektortabelle:
.align 11
.section .vectors, "a"
 
vector_table:
 
// Einträge für EL1t (Current Exception Level SP_el0)
ventry sync_invalid_el1t          // Synchronous EL1t
ventry irq_invalid_el1t          // IRQ EL1t
ventry fiq_invalid_el1t          // FIQ EL1t
ventry error_invalid_el1t        // Error EL1t
 
// Einträge für EL1h (Current Exception Level SP_el1)
ventry sync_invalid_el1h          // Synchronous EL1h
ventry handle_el1_irq            // IRQ EL1h
ventry fiq_invalid_el1h          // FIQ EL1h
ventry error_invalid_el1h        // Error EL1h
 
// Einträge für EL0 64-bit Modus
ventry sync_invalid_el0_64        // Synchronous EL0 (64-bit)
ventry irq_invalid_el0_64        // IRQ EL0 (64-bit)
ventry fiq_invalid_el0_64        // FIQ EL0 (64-bit)
ventry error_invalid_el0_64      // Error EL0 (64-bit)
 
// Einträge für EL0 32-bit Modus
ventry sync_invalid_el0_32        // Synchronous EL0 (32-bit)
ventry irq_invalid_el0_32        // IRQ EL0 (32-bit)
ventry fiq_invalid_el0_32        // FIQ EL0 (32-bit)
ventry error_invalid_el0_32      // Error EL0 (32-bit)
 
.macro ventry label
b \label
.endm
 
Erläuterungen zu den Einträgen:
sync_invalid_*: Diese Handler werden für synchrone Ausnahmen verwendet, wie z.B. system calls oder undefinierte Instruktionen.
irq_invalid_*: Diese Handler werden für normale Interrupt-Anfragen verwendet.
fiq_invalid_*: Diese Handler werden für schnelle Interrupt-Anfragen verwendet.
error_invalid_*: Diese Handler werden für Systemfehler verwendet.
Verwendung und Initialisierung der Vektortabelle:
 
Die Registerzüge VBAR_EL1, VBAR_EL2 und VBAR_EL3 müssen entsprechend initialisiert werden, um die Adresse dieser Vektortabellenstruktur zu verwenden. Hier ist ein Beispiel für die Initialisierung auf EL1:
 
.global _start
 
_start:
    // Initialisiere Stack Pointer für EL1
    LDR x1, =stack_top_el1
    MSR SP_EL1, x1
 
    // Lade die Adresse der Vektortabelle
    ADR x0, vector_table
    MSR VBAR_EL1, x0          // Setze VBAR_EL1 zur Adresse der Vektortabelle
 
    // Initialise Interrupts
    BL enable_interrupts
 
    // Hauptprogrammschleife
main_loop:
    B main_loop
 
sync_invalid_el1t:
    // Handler für synchronous exception in EL1t
    RET
 
irq_invalid_el1t:
    // Handler für IRQ in EL1t
    RET
 
fiq_invalid_el1t:
    // Handler für FIQ in EL1t
    RET
 
error_invalid_el1t:
    // Handler für System Error in EL1t
    RET
 
sync_invalid_el1h:
    // Handler für synchronous exception in EL1h
    RET
 
handle_el1_irq:
    // Hauptinterrupt Handler für IRQ in EL1h
    RET
 
fiq_invalid_el1h:
    // Handler für FIQ in EL1h
    RET
 
error_invalid_el1h:
    // Handler für System Error in EL1h
    RET
 
sync_invalid_el0_64:
    // Handler für synchronous exception in 64-bit EL0
    RET
 
irq_invalid_el0_64:
    // Handler für IRQ in 64-bit EL0
    RET
 
fiq_invalid_el0_64:
    // Handler für FIQ in 64-bit EL0
    RET
 
error_invalid_el0_64:
    // Handler für System Error in 64-bit EL0
    RET
 
sync_invalid_el0_32:
    // Handler für synchronous exception in 32-bit EL0
    RET
 
irq_invalid_el0_32:
    // Handler für IRQ in 32-bit EL0
    RET
 
fiq_invalid_el0_32:
    // Handler für FIQ in 32-bit EL0
    RET
 
error_invalid_el0_32:
    // Handler für System Error in 32-bit EL0
    RET
 
.section .bss
.stack_area:
    .skip 0x1000              // Speicherplatz reservieren
stack_top_el1:
 
Zusammenfassung
 
In der ARMv8-Architektur gibt es eine erweiterte Struktur für Vektortabellen mit 16 Einträgen, um verschiedene Arten und Zustände von Ausnahmen vollständig zu unterstützen. Bei der Ausnahmebehandlung können unterschiedliche Modi (64-Bit und 32-Bit) und verschiedene Betriebsarten (_el1t, _el1h, _el0_64, _el0_32) gleichzeitig berücksichtigt werden. Eine korrekte Initialisierung und Einhaltung der Reihenfolge dieser Einträge ist für die zuverlässige Ausnahmebehandlung unerlässlich.

Aktuelle Version vom 22. Juli 2026, 11:50 Uhr

Wichtig! Durch die Entwicklung zur USB-Unterstützung wurde einige Funktionen, die wir bisher genutzt haben, überarbeitet. Diese "neuen" Funktionen sind ab hier eingebaut. Darunter zählt zum Beispiel die printf-Funktion, die hier komplett überarbeitet ist. Zusätzlich wurden einige Screen-Funktionen überarbeitet.

Interrupts und Exceptions auf dem Raspberry Pi 4 (Bare Metal)

Interrupts (Unterbrechungen) und Exceptions (Ausnahmen) sind das Nervensystem jedes Betriebssystems. Sie sorgen dafür, dass der Prozessor nicht blind Code abarbeitet, sondern auf Ereignisse reagieren kann – sei es, dass ein Timer abläuft, eine Taste gedrückt wird oder ein schwerwiegender Programmierfehler auftritt.

In diesem Kapitel lernst du, wie die Ausnahmebehandlung im ARMv8 (AArch64) funktioniert, wie wir die Vektortabelle einrichten und wie wir mit einem einfachen "Blindtest" sicherstellen, dass unser System bereit für echte Hardware-Interrupts ist.

Exceptions vs. Interrupts: Was ist der Unterschied?

Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es einen feinen, aber wichtigen Unterschied:

  • Exceptions (Synchron): Treten direkt durch die Ausführung eines Befehls auf. Beispiele: Ein ungültiger Speicherzugriff, eine Division durch Null oder ein bewusster Systemaufruf (wie `svc #0`). Der Prozessor weiß genau, welcher Befehl die Ausnahme ausgelöst hat.
  • Interrupts (Asynchron): Treten unabhängig vom aktuellen Befehl auf, ausgelöst durch externe Hardware. Beispiele: Der System-Timer, eine USB-Maus oder ein GPIO-Pin.

Tipp für die OS-Entwicklung: Synchronous Exceptions (wie unsere `SynchError`-Handler) sind deine besten Freunde beim Debuggen! Wenn dein Code versehentlich in einen `SynchError`-Handler springt, weißt du sofort: Hier ist ein schwerer Fehler (z. B. Sprung an eine ungültige Adresse oder falscher Befehl). Wir werden das gleich gezielt ausnutzen.

Die Spielregeln: Exception Levels (EL) und DAIF

Der ARM Cortex-A72 kennt verschiedene Privilegienstufen, die Exception Levels (EL):

  • EL0: User-Mode (Anwendungen, wenig Rechte)
  • EL1: Kernel-Mode (Unser Bare-Metal-Code, volle Hardware-Kontrolle)
  • EL2: Hypervisor (Virtualisierung, wird vom Bootloader kurz genutzt)
  • EL3: Secure Monitor (Highest Privilege, z. B. ARM Trusted Firmware)

Wichtig: Um Interrupts korrekt zu verarbeiten, müssen wir uns in EL1 befinden. Da der Raspberry Pi 4 oft in EL2 startet, ist unser erster Schritt der Wechsel nach EL1.

Zudem kontrolliert das DAIF-Register, welche Interrupts gerade erlaubt sind:

  • D (Debug): Debug-Exceptions sperren
  • A (SError): Asynchrone Systemfehler sperren
  • I (IRQ): Normale Interrupts sperren
  • F (FIQ): Schnelle Interrupts (Fast IRQs) sperren

Ist ein Bit auf `1` gesetzt, ist der Interrupt gesperrt. Um IRQs zu erlauben, müssen wir das I-Bit auf `0` setzen (clear).

Vorbereitung: Nur ein Kern darf laufen

Der Pi 4 hat 4 Kerne. Beim Start führen alle denselben Code aus. Würden alle versuchen, Interrupts zu bearbeiten oder den Stack zu nutzen, würde das System sofort abstürzen. Wir lassen nur Core 0 arbeiten und schicken die anderen in einen energiesparenden Schlafmodus (`WFE` = Wait For Event).

// In boot.S
_start:
    mrs x1, mpidr_el1    // Core-ID lesen
    and x1, x1, #3       // Nur die unteren 2 Bits (0-3) behalten
    cbz x1, core0        // Wenn Core 0, weiter zum Setup

core_sleep:
    wfe                  // Warte auf ein Event (Sleep)
    b core_sleep         // Endlosschleife für Core 1-3

core0:
    // Ab hier läuft nur noch Core 0

Der Wechsel von EL2 nach EL1

Da wir ein Kernel schreiben, gehört unser Platz in EL1. Der folgende Code konfiguriert EL1, setzt den Stackpointer und bereitet den Rücksprung vor.

    // 1. Prüfen, ob wir schon in EL1 sind (CurrentEL = 8 für EL1)
    mrs x0, CurrentEL
    cmp x0, #8
    beq switch_to_el1

    // 2. EL1 Stackpointer setzen
    ldr x0, =EXCEPTION_STACK
    msr sp_el1, x0

    // 3. Vektortabelle für EL2 setzen (für den Fall, dass während des Wechsels was passiert)
    ldr x0, =VectorTable
    msr vbar_el2, x0

    // ... (Hier folgen Timer- und Virtualisierungs-Einstellungen, siehe boot.S) ...

    // 4. Rücksprung-Adresse und Status für EL1 vorbereiten
    mov x0, #0x3c4             // SPSR_EL2: EL1h, Interrupts (DAIF) sind hier noch maskiert
    msr spsr_el2, x0
    adr x0, el1_return         // Adresse, zu der wir nach dem Wechsel springen
    msr elr_el2, x0

    eret                       // Exception Return: Wechselt nach EL1 zu 'el1_return'

el1_return:
switch_to_el1:
    // Wir sind jetzt in EL1!
    ldr x0, =VectorTable
    msr vbar_el1, x0           // Vektortabelle für EL1 aktivieren

    // BSS-Segment (uninitialisierte Variablen) mit Nullen füllen
    ldr x1, =__bss_start
    ldr w2, =__bss_size
clean_bss_loop:
    cbz w2, bss_clean_done
    str xzr, [x1], #8
    sub w2, w2, #1
    cbnz w2, clean_bss_loop
bss_clean_done:

    b main                     // Ab ins C-Hauptprogramm!

Die Exception Vector Table (VBT)

Die VBT ist das "Telefonbuch" des Prozessors. Bei einer Ausnahme schaut die CPU in dieses Register (`vbar_el1`) und springt zu der dort hinterlegten Adresse.

Die Tabelle muss exakt 2048 Byte (2 KB) groß sein (.align 11). Sie ist in 16 Einträge unterteilt (4 Ausnahmetypen × 4 Ausführungsstatus). Jeder Eintrag muss exakt 128 Byte (.align 7) voneinander entfernt sein.

// In vector.S
.align 11                      // 2^11 = 2048 Byte Ausrichtung für die ganze Tabelle
.globl VectorTable
VectorTable:
    // 1. Aktuelles EL, Stackpointer ist SP_EL0 (User-Mode, nutzen wir nicht)
    .align 7
    b SynchError1
    .align 7
    b GenericIRQHandler
    .align 7
    b FastInterruptHandler
    .align 7
    b SErrorStub1

    // 2. Aktuelles EL, Stackpointer ist SP_ELx (Kernel-Mode, EL1h) -> DAS NUTZEN WIR!
    .align 7
    b SynchError2              // Synchronous Exception (z.B. svc #0, Memory Abort)
    .align 7
    b GenericIRQHandler        // Normaler Hardware-Interrupt (IRQ)
    .align 7
    b FastInterruptHandler     // FIQ
    .align 7
    b SErrorStub2              // System Error

    // 3. Niedrigeres EL (EL0), 64-Bit (Auch hier leiten wir auf unsere Handler um)
    .align 7
    b SynchError1
    .align 7
    b GenericIRQHandler
    // ... (weitere Einträge siehe vector.S)

🛠️ Debugging-Hinweis: Die SynchError-Handler sind extrem wertvoll. Wenn dein Programm unerwartet in `SynchError2` landet, weißt du: Ein Befehl in EL1 war ungültig oder hat einen Fehler verursacht. Wir werden das gleich gezielt provozieren, um zu prüfen, ob die Tabelle funktioniert.

Der Blindtest: `svc #0` (Supervisor Call)

Bevor wir uns mit komplexer Hardware (wie dem GIC-Interrupt-Controller) herumschlagen, müssen wir sicherstellen, dass unser Exception-Mechanismus grundlegend funktioniert.

Der Befehl svc #0 (Supervisor Call) löst absichtlich eine synchrone Exception aus. Da wir uns in EL1 befinden, sollte die CPU in den Eintrag SynchError2 unserer Vektortabelle springen.

Füge diesen Test vorübergehend in deine `main.c` ein, *bevor* du `printf` oder andere Initialisierungen machst:

// In main.c
#include "printf.h"
#include "sync.h" // Für Stop()

int main(void)
{
    // --- BLINDTEST FÜR EXCEPTIONS ---
    printf("Starte Exception-Blindtest...\n");
    
    // Dieser Befehl löst absichtlich eine synchrone Exception aus.
    // Die CPU sollte in vector.S -> SynchError2 -> ExceptionHandler springen.
    asm volatile("svc #0"); 
    
    // Diese Zeile sollte NICHT erreicht werden!
    printf("FEHLER: svc #0 wurde nicht abgefangen!\n");
    Stop();
    // ----------------------------------

    // ... Rest deiner Initialisierung (Interrupt_Initialize, Timer, etc.) ...
}
    • Erwartetes Ergebnis:**

Auf dem Bildschirm sollte erscheinen: `Starte Exception-Blindtest...` `Error: Exception 'SynchError2' ausgelöst` Und das Programm bleibt stehen (dank `Stop()` im `ExceptionHandler`).

    • Wenn das funktioniert, hast du den schwersten Teil bereits geschafft:** Der Wechsel nach EL1, das Setzen von `vbar_el1` und die korrekte Ausrichtung der Vektortabelle sind verifiziert! Du kannst den `svc #0`-Test danach wieder entfernen.
    1. 7. Der IRQ-Handler: Den Zustand retten und wiederherstellen

Wenn ein echter Hardware-Interrupt (z. B. vom Timer) kommt, springt die CPU zu `GenericIRQHandler`. Da der Interrupt *jederzeit* passieren kann, weiß der Handler nicht, welche Register gerade benutzt wurden.

Die goldene Regel lautet: **Rette alles, was du veränderst, und stelle es exakt so wieder her.**

// In vector.S (vereinfachte Darstellung des GenericIRQHandler)
.globl GenericIRQHandler
GenericIRQHandler:
    // 1. Frame-Pointer und Link-Register retten
    stp x29, x30, [sp, #-16]!
    
    // 2. Rücksprungadresse (elr_el1) und Status (spsr_el1) retten
    mrs x29, elr_el1
    mrs x30, spsr_el1
    stp x29, x30, [sp, #-16]!
    
    // 3. FIQs erlauben (falls sie gesperrt waren), IRQs bleiben durch Eintritt automatisch gesperrt
    msr DAIFClr, #1
    
    // 4. ALLE General Purpose Register (x0-x28) auf den Stack sichern
    stp x27, x28, [sp, #-16]!
    // ... (weitere stp Befehle bis x0) ...
    str x0, [sp, #-16]!
    
    // 5. ALLE NEON/FP-Register (q0-q31) sichern (wichtig für C-Code mit Floats!)
    stp q30, q31, [sp, #-32]!
    // ... (weitere stp Befehle bis q0) ...
    
    // 6. Jetzt ist der Stack sauber. Wir können sicher C-Code aufrufen!
    bl InterruptHandler
    
    // 7. Epilog: Alles in EXAKT umgekehrter Reihenfolge wiederherstellen!
    ldp q0, q1, [sp], #32
    // ... (bis q30, q31)
    
    ldr x0, [sp], #16
    ldp x1, x2, [sp], #16
    // ... (bis x27, x28)
    
    ldp x29, x30, [sp], #16
    msr elr_el1, x29
    msr spsr_el1, x30
    
    ldp x29, x30, [sp], #16
    
    // 8. Zurück zum unterbrochenen Code
    eret
    1. 8. Zusammenfassung

1. **Nur ein Kern:** Wir schicken Core 1-3 in den Schlaf (`WFE`), um Chaos zu vermeiden. 2. **EL1 ist Pflicht:** Wir wechseln von EL2 nach EL1, um Kernel-Rechte zu haben. 3. **Vektortabelle:** Sie muss auf 2 KB ausgerichtet sein und zeigt der CPU den Weg zu den Handlern. 4. **Blindtest:** Ein `svc #0` ist der perfekte, sichere Weg, um zu prüfen, ob Exceptions korrekt abgefangen werden, bevor man Hardware-IRQs konfiguriert. 5. **State Saving:** Der Assembly-Handler muss *jedes* Register sichern, bevor er C-Code (`InterruptHandler`) aufruft, und es danach exakt wiederherstellen.

    1. Ausblick

Nun, da das Fundament steht und wir wissen, dass unsere Exception-Tabelle funktioniert, können wir uns im nächsten Kapitel dem **Generic Interrupt Controller (GIC-400)** und dem **System Timer** widmen. Dort werden wir lernen, wie wir einen echten Hardware-Interrupt (IRQ 27) aktivieren, um unseren ersten periodischen "Rotor" auf dem Bildschirm zu animieren!

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